Die vergangenen zwei Wochen waren wieder einmal dicht gedrängt mit Ereignissen. So langsam wird das zum Normalzustand.
Am Donnerstag vor einer Woche wurde vom Reinigungspersonal eine Beschriftung auf einer Wand der Schule gefunden, die im Kontext der Amokläufe in anderen Schulen des Landes ( und des Kontinents) gelesen werden konnte. Unsere Verpflichtung war, das bei der Polizei zu melden, die dann weitere Untersuchungen eingeleitet hat. Eine Konsequenz, die die zuständige Staatsanwaltschaft uns auferlegt hat, bestand darin, dass die Schüler am Freitag ohne Taschen kommen mussten. Das hatte dann die Folge, dass etwa 25% gar nicht gekommen sind. Außerdem mussten wir für Mittagessen sorgen, da es auch nicht erlaubt war, welches mitzubringen und ohne ein Schultag von 7:45 Uhr bis 16:30 Uhr natürlich zu lang ist.
Diese Regelung wurde im Laufe der Woche dahingehend geändert, dass durchsichtige Taschen und kleine Brotdosen bis auf Weiteres erlaubt sind. (Grundschüler und die Kinder des Kindergartens können jetzt ohne Einschränkung kommen).
Auf diesem Hintergrund haben wir uns dazu entschieden, das lange Wochenende für einen Kurzurlaub zu nutzen. Da wir unser Auto noch nicht fahren dürfen (den argentinischen Ausweis haben wir seit Donnerstag, mit dem Führerschein dauert es noch und dann weitere vier Wochen bis zu den Nummernschildern…) und anscheinend unser deutscher Führerschein nicht mehr gilt (für Touristen 6 Monate, aber für Personen mit Arbeitsvisum scheinbar nur zwei – jedenfalls bin ich auf dem Weg nach Mar del Plata angehalten und von einem Polizisten entsprechend informiert worden), konnten wir auch kein Auto mieten.
Also haben wir die Schnellfähre nach Montevideo gebucht – einmal quer über den Fluss, knapp drei Stunden mit 80 km/h.
Dort angekommen mussten wir feststellen, dass dort alles viel ruhiger ist als in BA: wegen des 1. Mai war so ziemlich alles geschlossen inklusive Restaurants. Also sind wir durch die Stadt gelaufen, waren am Strand und haben mittags in einem einfachen Restaurant gegessen und konnten abends bei einem Brauereiausschank unterkommen.
Unser Hotel in der Altstadt war hervorragend, vermutlich das beste, in dem wir je waren. Es ist ziemlich klein mit etwa 12 Zimmern, in einem Altbau, super renoviert und mit Antiquitäten ausgestattet. Jedes Zimmer ist individuell gestaltet, der Service war hervorragend. Dachterrasse und Bibliothek gibt es auch, wenn man Muße zum Ausruhen hat.
Gestern war es auch ruhig, aber zumindest waren die Museen (ab 13:00 Uhr) und Geschäfte geöffnet. Wir haben uns drei Ausstellungen angesehen und in einer Kunstgalerie ein großartiges Werk gefunden, eine Mischung zwischen Bild und Skulptur. Leider viel zu groß zum Mitnehmen und etwas teuer. Darüber hinaus ist die Einfuhr von Kunstwerken nach Argentinien und noch dazu solchen aus Holz eine Herausforderung für sich. Mal sehen, was mir machen.
Mittags haben wir ganz gut gegessen, im „Hafenmarkt“, der fast vollständig aus Gastronomie besteht. Am Abend waren wir noch in einer Vinothek, haben dort eine Weinprobe gemacht und uns mit dem Besitzer gut unterhalten.
Jetzt sitzen wir in der Wartehalle der Fährgesellschaft und warten auf die Abfahrt. Am frühen Nachmittag sind wir zurück, so dass noch etwas vom Tag bleibt.